Erste Bemühungen um den Verkauf der F 13Verhandlungen mit der Deutschen LuftreedereiDie ersten Absatzmöglichkeiten für das neue Verkehrsflugzeug ergeben sich bereits am Tage nach dem Erstflug der F 13. Johannes Viehweger hat bei einem privaten Besuch bei Hauptmann Alfred Keller, dem Flugbetriebsleiter der Deutschen Luftreederei, dessen Interesse für das komfortable Flugzeug mit niedrigem Brennstoffverbrauch geweckt und Major Seitz davon berichtet. Dieser schreibt sofort an Professor Junkers: "Ich sehe den Schimmer einer Möglichkeit, daß vielleicht unser neues Verkehrsflugzeug von Luftverkehrsgesellschaften (A.E.G.) erworben werden könnte. Dies wäre m.E. eine außerordentlich erwünschte und glückliche Lösung der Frage einer schnellen Verwertung im Inlande und ich möchte dieses Ziel um so lieber verfolgen, als wir mehr und mehr Nachweise erhalten, welch ungeheure Opfer der Luftverkehr erfordert, sodaß nur die finanziell ganz Starken das kritische Stadium überdauern werden. Darum ist es vielleicht vorzuziehen, wenn man bezüglich des Luftverkehrs zwar dabei ist, aber vorsichtige Zurückhaltung bewahrt und das Augenmerk in erster Linie auf den Verkauf von Verkehrsflugzeugen richtet." (48). In einer Besprechung im Hauptbüro wird daraufhin beschlossen: "Mit Rücksicht auf die Erfahrungen, die andere Unternehmungen gemacht haben, sollte man sehr vorsichtig sein, nur im Kleinen anfangen und das Risiko möglichst begrenzen. Am besten wäre, wenn man einfach Flugzeuge an außenstehende Verkehrs-Unternehmungen liefern könnte. Nur so lange dies nicht möglich ist, mußte man einen kleinen Luftverkehr aufrecht erhalten. ... Herr Viehweger hatte durch Hauptmann Keller erfahren, daß die A.E.G. Interesse für Junkers-Flugzeuge habe. ... Die Jfa steht auf dem Standpunkt, daß man ruhig versuchen sollte, auch einzelne Flugzeuge sofort an die A.E.G. zu verkaufen. ..." (49) Die am 13. Dezember 1917 als Studiengesellschaft gegründete Deutsche Luftreederei ist eine Tochtergesellschaft der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) und wird geleitet von Egon von Rieben und Walter Mackenthun. Sie ist am 5. Januar als erste Luftverkehrsgesellschaft in Deutschland vom Unterstaatssekretär August Euler zum Luftverkehr zugelassen und betreibt seit dem 5. Februar von Berlin ausgehend Luftverkehrsstrecken zuerst nach Weimar, dann nach Hamburg, Warnemünde, Hannover, Gelsenkirchen. Im Sommer wird zusätzlich ein Seebäderdienst aufgenommen. Ein rentabler Luftverkehr ist jedoch auch der Deutschen Luftreederei nicht möglich, die Mutterfirma AEG muß kräftig Geld zuschießen. Die von der DLR eingesetzten Flugzeuge der Firmen AEG und LVG sind umgebaute ehemalige Militärdoppeldecker mit teils offenen Passagierkabinen, die nicht nur unbequem, sondern auch durch ihren hohen Benzinverbrauch sehr unwirtschaftlich sind. Hauptmann Keller hat schnell erkannt, daß die F 13 das derzeit modernste Verkehrsflugzeug auf dem Markt ist und mit deren Einsatz die Möglichkeit besteht, den Flugbetrieb rentabler zu gestalten. Auch der technische Leiter der DLR, Ingenieur Erich Offermann, der mit Prof. Junkers schon seit dessen Aachener Professorenzeit bekannt ist, setzt sich bei der DLR für einen Ankauf von F 13 ein. Die Geschäftsführung der Deutschen Luftreederei hat nach dieser Fürsprache ihrer leitenden Angestellten für das Junkers-Verkehrsflugzeug ein großes Problem. Sie kann ihren bisherigen kostspieligen Flugbetrieb nur deshalb aufrechterhalten, weil sie eine finanzkräftige Mutterfirma im Hintergrund hat. Die AEG ihrerseits hat den Luftverkehrsbetrieb hauptsächlich deshalb aufgenommen, weil sie ursprünglich ihre am Ende des Weltkrieges entwickelten Großflugzeuge im Luftverkehr weiter verwerten wollte. Dieser Plan ist inzwischen gescheitert. Einige der Großflugzeuge sind bei Unfällen zerstört und die restlichen wegen der Gefahr der Beschlagnahme durch die Alliierten nach Schweden überführt worden. Zwar hat auch die AEG versucht, einige ihrer Militärflugzeuge durch Kabinenaufbau zu Verkehrsflugzeugen umzufunktionieren, doch diese können nicht mit der Junkers F 13 konkurrieren. Wenn sich die DLR nun entschließt, solche F 13 anzukaufen, wird die AEG ihren Flugzeugbau aufgeben müssen. Damit entfällt der Grund dafür, weiteres Geld in die DLR zu investieren. Den Geschäftsführern der Deutschen Luftreederei fällt in ihrer Not ein Ausweg ein, der mit einem Schlag ihre Probleme lösen soll. Professor Junkers muß dazu überredet werden, mit der Mutterfirma AEG eine Fabrikationsgemeinschaft einzugehen. Damit könnte die AEG ihren Flugzeugbau retten und die DLR hätte moderne, wirtschaftliche Verkehrsflugzeuge für einen rentablen Flugbetrieb. Mitte August laden die DLR-Geschäftsführer Mackenthun und von Rieben Professor Junkers zu einem Gespräch nach Berlin ein mit dem Vorwand, Junkers F 13 kaufen zu wollen und versuchen ihm nebenbei eine Interessengemeinschaft aller Metallflugzeuge bauenden Firmen schmackhaft zu machen. Mit der Firma Zeppelin gebe es schon feste Absprachen, es fehle nur noch die Firma Junkers. Prof. Junkers gibt sich nicht von vornherein abgeneigt, vor allem wohl deshalb, weil er die DLR als potentiellen Kunden nicht gleich wieder verlieren will und ist deshalb zu weiteren Verhandlungen bereit. Es folgt ein langwieriges Taktieren auf beiden Seiten. Die DLR lockt Junkers mit einem Serienauftrag auf seine Verkehrsflugzeuge, will aber einen festen Auftrag erst dann erteilen, wenn sich der Staat bereit erklärt, den Luftverkehr zu subventionieren. Professor Junkers hingegen schraubt seine Forderungen im Laufe der Verhandlungen immer höher. Er will sich einerseits seine Selbständigkeit auf keinen Fall nehmen lassen, ist aber andererseits nicht völlig abgeneigt, die F 13 zusammen mit der AEG zu produzieren. Eine eventuelle Fabrikationsgemeinschaft könnte nach Meinung von Professor Junkers nur so aussehen, daß er die Forschungsanstalt als sein alleiniges Eigentum behält und die Jfa zusammen mit der AEG die Flugzeuge, die die Forschungsanstalt entwickelt, in Lizenz produziert. Mitte Oktober schaltet sich das AEG-Aufsichtsratmitglied Kommerzienrat Mamroth persönlich in die Verhandlungen ein und bietet Professor Junkers eine Fabrikationsgesellschaft an, an der AEG und Junkers zu je 50% beteiligt sein sollen. In diese Gesellschaft sollen von beiden Seiten "alle Patente und Erfahrungen eingebracht werden; ferner wird zunächst in Dessau von Junkers eine Fabrikationsstätte mit den erforderlichen Einrichtungen in noch zu vereinbarendem Umfange der neuen Gesellschaft überlassen." (50). Prof. Junkers fordert daraufhin 3 ½ Millionen für seine Einbringungen in die Gesellschaft und weiterhin völlige Selbständigkeit für seine Forschungsanstalt. Die Forschungsanstalt solle das Recht haben, auch selbst Versuchsmuster zu produzieren und eigenständig Lizenzen verwerten zu können. Daraufhin geben die AEG ihre Idee einer Fabrikationsgesellschaft auf und beschränken ihre weiteren Verhandlungen auf eine 50%ige Beteiligung an der Junkers-Flugzeugwerk AG. Am 12. November endlich schlägt Professor Junkers auch diesen Vorschlag der AEG ab. Er könne sich nicht dazu entschließen, die völlige Selbständigkeit seiner Flugzeugfabrik durch Abgabe von Aktien aufzugeben, läßt er der AEG mitteilen. Die AEG stellt daraufhin Ende des Jahres ihren Flugzeugbau völlig ein und die DLR kauft ihre Flugzeuge bei anderen Werken. |
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