Junkers-Luftverkehr im Jahre 1919

Der Aufbau einer Vertriebs- und Propaganda-Abteilung der Junkerswerke

Die Entscheidung von Professor Junkers, den Flugzeugbau weiterzuführen und auf Verkehrsflugzeuge umzustellen, erfordert auch eine völlige Umstellung der Abteilung Vertrieb.

Im 1. Weltkrieg war der Hauptabnehmer der Flugzeuge und anderer Produkte, wie schon erwähnt, der Staat. Um soviel wie möglich Produkte absetzen zu können, brauchte man auch vor allem gute Beziehungen entweder zum regierenden Kaiserhaus oder zum Kriegsministerium. Aus diesem Grunde hatte Prof. Junkers am 28. Februar 1918 einen für ihn damals sehr wichtigen Mann eingestellt, den Hofmarschall des Prinzen Leopold von Preußen, Major Carl Seitz. Dieser verfügte über beste Verbindungen zum Hofe und erreichte sogar, daß sich Prinz Friedrich Leopold finanziell an den Junkerswerken beteiligte.

Auch nach Ende des Ersten Weltkrieges nutzt Seitz weiter seine Beziehungen zu den Offizieren des Kriegsministeriums wie z. B. Major Wagenführ und versucht mit deren Hilfe und mit diplomatischen Geschick staatliche Stellen dazu zu bringen, Junkers-Flugzeuge zu erwerben. Dies ist jedoch ein aussichtsloses Unterfangen, der Staat hat einfach kein Geld mehr. Es müssen andere Mittel und Wege des Vertriebes gefunden werden, wenn Junkers selbst weiter Flugzeuge produzieren und absetzen will.

Am 16. Dezember wird in der Verwaltungssitzung der Junkerswerke beschlossen, zuerst einmal die Vertretungen der Junkerswerke in Berlin zu einem einheitlichen Büro Berlin mit Sitz in der Schöneberger Straße zusammenzuschließen. Leiter dieses Büros wird der Generalbevollmächtigte von Prof. Junkers, Carl Seitz. In Dessau wird eine Zentrale, das sog. Hauptbüro geschaffen, das die Verbindung zwischen den Dessauer Junkers-Betrieben und dem Berliner Büro herstellen soll. Als Vorsteher des Dessauer Büros soll vorerst der ehemalige Leiter der Bauaufsicht der Junkers-Fokker-Werke Hans Sachsenberg eingesetzt werden, der am 1. Dezember 1918 als Angestellter von Junkers übernommen worden war.

Eine Woche später wird diesem Hauptbüro noch eine Abteilung Patentverwertung angeschlossen, die hauptsächlich dazu dienen soll, die Ergebnisse der Forschungsanstalt zu propagieren und zu verwerten. Zum Leiter wird Hermann Mierzinsky ernannt, der vor dem ersten Weltkrieg bereits im Konstruktionsbüro Schiffbau bei Junkers beschäftigt war. Mierzinsky soll in der Propaganda unterstützt werden von dem später sehr bekannten Science-fiction-Schriftsteller Hans Dominik, der schon während des ersten Weltkrieges in der Zeitschrift "Die Woche" für die Junkers-Flugzeuge propagiert hatte. (32)

Am 5. Januar 1919 trifft Hermann Mierzinsky in Dessau ein und beginnt mit seiner Arbeit. Er sichtet das vorliegende Propagandamaterial und stellt ein vorläufiges Programm für die Verwertung der Junkers-Patente auf. Zur Verwertung der Flugzeugpatente bemerkt er:

  1. "Verwertung mußte in der Hauptsache während des Krieges aus militärischen Gründen ruhen. Nur Abschluß mit wenigen Firmen, in erster Linie Eigenfabrikation.
  2. Kontrolle der Verpflichtungen aus den abgeschlossenen Lizenzverträgen.
  3. Da bereits Fertiges vorliegt, muß Verwertung im Inland sofort, im Ausland sobald irgend möglich aufgenommen werden.
  4. Kriegsflugzeuge sofort verwerten (Ausland!) bezw. Neubau für bestimmte Verkehrszwecke in Arbeit. Bau besonderer Verkehrsflugzeuge in Vorbereitung. Für dieselben kann bereits mit den jetzt vorliegenden Militär-Flugzeugen Interesse erweckt werden.
  5. Versuch weiterer Lizenzvergebung kann im Inland sofort gemacht werden, im Auslande, sobald Aufnahme der Beziehungen möglich ist.
  6. Bekanntmachung der Öffentlichkeit und engerer Interessenkreise durch entsprechende Propaganda. Gleichzeitig Erkundung der wirtschaftlichen Aussichtsmöglichkeiten (Inland und Ausland).
  7. Sofortige Aufnahme großzügiger Fabrikations-Reklame durch Jfa (Inserate!)."(33)
Weiter: Die Abteilung Luftverkehr
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