Der Bau der zweiten F 13 ("Annelise")Die zweite F 13 (Werk-Nr. 532) wird statt mit einem Mercedes- mit einem BMW-Motor ausgerüstet. Dies hat eine ganz besondere Ursache: Die "Annelise" ist ursprünglich aus einem bestimmten Grund, auf den wir noch zurückkommen, als Wasserflugzeug geplant. Um mit den schweren Schwimmern vom Wasser abheben zu können, reicht der 160-PS-Mercedes jedoch nicht aus. Der 185-PS-BMW-Motor kann jedoch vorübergehend eine Leistung von 230 PS erreichen, damit glaubt man, vom Wasser aus starten zu können. Warum nun wollen die Junkerswerke sofort nach Fertigstellung der ersten F 13 eine zweite als Wasserflugzeug bauen? Anfang des Jahres 1919 hatte die Zeitschrift "Daily Mail" hat einen Preis von 10.000 Pfund Sterling für einen Ozeanflug von Europa nach Amerika ausgesetzt. Der Pour-le-merité-Flieger und gebürtige Anhaltiner, Leutnant Theo Osterkamp, macht Prof. Junkers auf diesen Wettbewerb aufmerksam und regt ihn dazu an, sich daran zu beteiligen. Prof. Junkers reizt diese neue Herausforderung. Er macht sich sofort Gedanken, welche Anforderungen an ein Flugzeug zu stellen wären, das den Ozean überfliegen kann, und notiert am 9. April 1919: "Bemerkungen zum Bau eines Fernflugzeuges. I. 2 Piloten u. Ausrüstg.; Instrum. etc. ca. 250 kg. Brennstoff u. Schmieröl für => 2500 km. Es soll versucht werden die größte Strecke (2300 km) mit C Flugzeug zur. zu legen d.h. mit 1 Motor u. Propeller. Leistg => 160 PS (evtl. 250 od. 300 PS) II. Konstruktion. III. Motor Am 27. April findet eine erneute Besprechung von Prof. Junkers mit den Leutnant Osterkamp statt. Osterkamp hat zu dieser Besprechung einen Leutnant Becht mitgebracht, der der eigentliche Urheber der Idee gewesen sein soll, mit einem Junkers-Flugzeug über den Atlantik zu fliegen. Prof. Junkers notiert selbst über die Besprechung: " ... Der wichtigste Punkt der Besprechung war das Problem des Fernflugs nach Amerika. Die Idee war von B. ausgegangen. Derselbe hatte sich folgenden Plan ausgedacht, welchen er zum Vorschlag brachte. B., welcher Kaufmann ist, aber während des Krieges sich nicht nur als Flieger, sondern auch als Beobachter in der Navigation sehr gründlich ausbildete, schlägt vor, sich bis zu dem Fernflug selbst dem Metallflugzeug, seiner weiteren Vervollkommnung und besonders auch seiner Verwertung in der Weise zu widmen, daß er als Flieger durch bemerkenswerte Fernflüge u. dergl., insbesondere nach Schweden und Finnland, Propaganda betreibt. Diese Fernflüge würden zugleich die Vorarbeiten und Vorversuche für den Amerika-Flug bilden. B. gedenkt im Vertrauen auf seine kaufmännischen Befähigungen und Erfahrungen dabei zugleich Bestellungen auf Flugzeuge einzuholen. ... Junkers machte ... darauf aufmerksam, daß keine der konkurrierenden Unternehmungen gleich günstige Aussichten zu bieten vermögen, die für ein Gelingen des Amerikafluges maßgebenden Bedingungen in der besten Weise zu erfüllen. Dies gaben beide Herren auch selbst zu, nachdem eine eingehendere Besprechung des Problems selbst stattgefunden hatte, wobei Junkers neue wichtige Gesichtspunkte zur Sprache brachte, die sich auf die Mittel zur Erzielung eines großen Aktionsradius bezogen. Dieselben betrafen nicht nur die Konstruktion des Flugzeuges, sondern insbesondere auch Vorschriften für den Flugzeugführer, wie er das Flugzeug zu führen habe, wenn unter den gegebenen Verhältnissen ein Maximum der Flugstrecke erzielt werden soll. Die Angelegenheit soll mit allen Kräften gefördert werden. ..." Leutnant Becht hat bei dieser Besprechung auf Professor Junkers einen ausgezeichneten Eindruck gemacht und Junkers entschließt sich dazu, seine leitenden Angestellten in das Projekt einzuweihen. In einer gemeinsamen Besprechung am 5. Mai findet er volle Zustimmung bei seinen Mitarbeitern: "Von seiten der anwesenden Herren wird das Projekt eines Fernfluges nach Amerika als ein großer, schöner, mutiger und Erfolg verheißender Plan begrüßt. Es besteht volles Vertrauen, daß der technische Teil von der Forschungsanstalt nach dem heutigen Stande der Wissenschaft in vollkommenster Weise gelöst werden wird. Der Amerikaner Wiegand hat vor einiger Zeit Major Seitz gegenüber sich dahin ausgesprochen, daß die Amerikaner durch den Lügenfeldzug tief eingewurzelte falsche Vorstellungen von uns Deutschen bekommen haben, die nach dem amerikanischen Charakter am schnellsten und besten durch technische Leistungen beseitigt würden. Ein erfolgreicher Flug nach Amerika würde schneller eine Brücke schlagen als langjährige platonische Verhandlungen und Werben um Gunst und Freundschaft. Dies alles kann man nur darin bestärken, daß die Forschungsanstalt an diese ihrer würdige Aufgabe herangeht. ... Herr Professor Junkers hat sich einen vorläufigen Etat von M 500.000.- gesetzt." (25) Zur Konstruktion eines neuen Flugzeuges speziell für den Ozeanflug reicht die Zeit nicht aus, deshalb wird beschlossen, auf den vorhandenen Konstruktionen aufbauen. Am 9. Mai stellt die Forschungsanstalt Berechnungen an, welche Veränderungen an der F 13 vorgenommen werden müßten, damit sie als Fernflugzeug mit Schwimmern für den Amerikaflug eingesetzt werden kann. Nach diesen Berechnungen reicht ein BMW-IIIa-Motor, um mit der F 13 vom Wasser aus starten zu können. (26) Am 12. Mai zieht Prof. Junkers einen größeren Teil seiner Mitarbeiter zu dem Projekt des Amerikafluges hinzu. Als Zweck des Fluges gibt er bekannt: "Propaganda und Anknüpfung wirtschaftlicher Beziehungen gegenüber Amerika. Daneben können weitere Zwecke (z. B. Sammlung wissenschaftl. Erfahrungen usw.) verfolgt werden." Der Zeitplan sieht folgendermaßen aus: Der Flug solle spätestens Ende September stattfinden, deshalb muß das Flugzeug etwa am 15. Juli für Flugversuche zur Verfügung stehen. Für die Forschungsanstalt bedeutet dies, daß die Konstruktion bereits am 20. Mai, also eine Woche nach dieser Besprechung, fertig sein muß. Es wird ein Arbeitsverteilungsplan aufgestellt und den Mitarbeitern einschließlich den Piloten Becht und Osterkamp die einzelnen Aufgaben zugewiesen. Zum Schluß wird die Frage der Geheimhaltung besprochen: "Js. erwähnt, daß er zwar schon nach außen vom "Amerika"-Flug gesprochen habe, da mit einer solchen Aufgabe in der gegenwärtigen ziellosen Zeit auch gewissen Anregung gegeben werde und die Lebensgeister damit aufgefrischt werden. Es ist aber doch erwünscht, die Kreise der Mitwissenden nicht zu groß zu ziehen, sondern sich möglichst zu beschränken. Es wird bestimmt, daß die Bezeichnung Amerika- bezw. Transatlantic-Flug oder dergl. vermieden werden soll. Die Aufgabe soll unter dem Namen "Fernflug" laufen. ..."(27) In einer weiteren Besprechung von Prof. Junkers mit Leutnant Becht und der Forschungsanstalt zum Fernflug am 14. Mai wird über die konstruktive Ausführung des Fernflugzeuges beraten. Dabei wird nochmals bestätigt, daß keine Neukonstruktion erfolgen soll, sondern die zweite F 13 als Transatlantikflugzeug verwendet werden soll:
Am 16. Mai findet eine weitere Besprechung mit Becht und Osterkamp statt, die Aufschluß über die geplante Flugstrecke gibt. Es werden Stationen in Lissabon, auf den Kanarischen Inseln, den Kapverdischen Inseln und in Pernambuco geplant, zu denen Vorbereitungstrupps aus je einem Sprachkundigen und einem Motorenschlosser entsandt werden sollen. Nur wenige Tage später, am 20. Mai 1919, teilen die Leipziger Neueste Nachrichten mit, daß die erste Überquerung des Atlantischen Ozeans im Flugzeug gelungen ist. Die Engländer John Alcock und Arthur Whitten Brown sind mit einer Vickers Vimy mit zwei 360-PS-Rolls-Royce-Motoren von St. Johns (Neufundland) nach den Azoren geflogen und werden dafür einen Monat später von König Georg V. geadelt. Am darauffolgenden Tag bricht Prof. Junkers die Vorbereitungen zum Transozeanflug ab. Er macht in einer sofort einberufenen Besprechung "darauf aufmerksam, daß mit dem ersten Gelingen des Ozeanfluges durch amerikanische Flugzeuge und ferner im Hinblick auf die Besprechung im Reichsluftamt, wonach vorläufig mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse die Durchführung des Fernfluges in Frage gestellt ist, das Programm für uns vorläufig fallengelassen werden müsse. Statt dessen könne man vielleicht in Erwägung ziehen, einen Überlandflug nach Japan vorzubereiten. Es wird beschlossen, Herrn Becht und Herrn Osterkamp entsprechende Entscheidung mitzuteilen ..." Der Plan der Atlantiküberquerung mit einer Junkers F 13 erscheint aus der heutigen Sicht sehr unrealistisch und war es sicher auch. Er wird jedoch nie ganz aufgegeben und gelingt neun Jahre später auch. Am 12./13. April 1928 überqueren Köhl, Fitzmaurice und Hünefeld im Nonstopflug als erste den Nordatlantik in Ost-West-Richtung. Der dabei verwendete Flugzeugtyp ist zwar keine F 13, aber eng mit ihr verwandt. Das Ozeanflugzeug W 33 ist vom Typ her eine 1926 zum Frachtflugzeug umgebaute und dann weiterentwickelte F 13. |
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