Die Abnahmeprüfung der F 13 "Herta"Prof. Junkers befindet sich zur Zeit des Erstfluges der F 13 gerade in Bayrischzell und ist deshalb auf Berichte seiner Mitarbeiter angewiesen. Die Jfa unterrichtet ihren Chef sofort telegrafisch über die erfolgreichen Flugversuche, das Hauptbüro berichtet etwas ausführlicher über die gleich im Anschluß eingeleiteten Schritte zur sofortigen Zulassung des Flugzeuges. Der Leiter des Hauptbüros, Carl Seitz, schreibt am 26. Juni an Prof. Junkers: "Gestern war ich bei einem Probeflug des neuen Verkehrsflugzeuges J 13 zugegen. Zu dem hocherfreulichen Ergebnis kann man die Forschungsanstalt nur beglückwünschen. Ich habe heute telefonisch dem Reichsluftamt berichtet, wie überraschend schnell "das" Verkehrsflugzeug zur Welt gekommen sei. Ich wollte gleichzeitig orientiert sein, ob durch die Ausführung der Friedensbedingungen etwa auch dieses Flugzeug durch Zugriff der Entente bedroht ist und was von seiten des Reichsluftamtes geschehen könnte, um diese Errungenschaft dem Vaterlande zu erhalten. Das Reichsluftamt sieht im allgemeinen nicht pessimistisch. Man glaubt, daß Verkehrsflugzeuge von Auslieferung frei blieben und daß es sich nur um solche Maschinen handelt, die ausgesprochen für Kriegszwecke erbaut sind, so daß auch die umgeänderten ehemaligen Kampfflugzeuge nicht in Betracht kämen. Euler selbst ist 'persönlich' sogar der Hoffnung, daß auch das Verbot, Flugzeuge zu bauen, sich nicht auf die Herstellung von Friedensflugzeugen beziehe und daß überhaupt alles nicht so schlimm kommen wird, wie wir es fürchten. Das Reichsluftamt veranlaßte uns, sofort an die Deutsche Versuchsanstalt (Professor Bendemann) ein Gesuch nebst Unterlagen zu richten, daß unser neuer Typ hier an Ort und Stelle besichtigt und für den Luftverkehr freigegeben wird. Ehe nicht die Abnahme der Verkehrsflugzeuge gesetzlich anders geregelt ist, muß das Reichsluftamt sich an diese von ihm gegebene Vorschrift halten. Wir haben uns sofort mit der Deutschen Versuchsanstalt Bendemann Adlershof telefonisch in Verbindung gesetzt und streben an, daß die Abnahme schnell und glatt erfolgt, so daß wir mit diesem Flugzeug - wenn Sie keine Bedenken haben - sobald als möglich hervortreten und an die wirtschaftliche Auswertung schreiten können. Beim Reichsluftamt haben wir für das Flugzeug bereits lebhaftes Interesse erweckt. ..." (15) Hermann Mierzinsky vom Hauptbüro ergänzt das Schreiben seines Vorgesetzten: "Im Anschluß an das Schreiben von Herrn Major Seitz an Sie vom 26. d. Mts. und in seinem Auftrage teile ich Ihnen mit, daß ich mich heute telefonisch mit Prof. Bendemann wegen der Abnahme bezw. Typenprüfung von J 13 in Verbindung gesetzt hat. Wir müssen bestimmungsgemäß einen schriftlichen Antrag an die deutsche Versuchsanstalt einreichen, welchem die wichtigsten Zeichnungen, Fotografien und eine statische Berechnung für den neuen Flugzeugtyp beizufügen sind. Ich wies Prof. Bendemann darauf hin, daß es im Hinblick auf die zu erwartende Unterzeichnung des Friedens und die gesamte politische Lage nicht nur in Ihrem, sondern im allgemeinen Interesse liege, daß das Flugzeug als neue deutsche Errungenschaft möglichst bald in der Öffentlichkeit erscheinen könne, ehe die Entente uns mit ihren Luftfahrzeugen überschwemmt. Prof. Bendemann sagte jede mögliche Unterstützung und Beschleunigung zu und will bereits Anfang kommender Woche einen Vertreter nach Dessau entsenden, damit hier an Ort und Stelle alle weiteren Versuche und Formalitäten pp. erledigt werden können. Keinesfalls aber könne er auf die vorherige Einsendung und Durchsicht der Unterlagen insbesondere der statischen Berechnung verzichten, zumal die Versuchsanstalt vorher nicht zu den Festigkeitsprüfungen einzelner Teile usw. herangezogen sei. Die Forschungsanstalt wird die erforderlichen Unterlagen beschleunigt zusammenstellen, sodaß dieselben noch morgen oder übermorgen an Berlin abgehen können. Alles Erforderliche zur weiteren Förderung der Angelegenheit wird veranlaßt werden. ..." (16) Am 27. Juni informiert Carl Seitz das Jfa-Aufsichtsratmitglied Major Wagenführ über den Erstflug der F 13: "Unsere Forschungsanstalt hat mit dem neuen Verkehrsflugzeug J 13 einen Erfolg und Beweis ihrer Bedeutung und Leistungsfähigkeit erbracht, zu dem man Herrn Professor Junkers nur beglückwünschen kann und der auch mit der größten Freude erfüllt hat. Ich hätte wünschen mögen, daß Sie die Probeflüge mit hätten beobachten können. Das Flugzeug mit 6 Insassen bewies bei 50 m Start eine glänzende Steigfähigkeit und hervorragende flugtechnische Eigenschaften in der Luft. Ebenso erfolgten die Landungen stets auffallend sanft und exakt. Ich war besonders erstaunt, wie solche Leistungen mit einem 160 PS Mercedes-Motor hervorgebracht werden konnten. Also 'das' Verkehrsflugzeug ist da! Hoffentlich gelingt es, diese Errungenschaften dem Zugriff der Feine zu entziehen und schnell so zur Geltung zu bringen, daß es auch wirtschaftlich rechtzeitig ausgewertet werden kann, ehe die Konkurrenz, insbesondere der Gegner den schönen deutschen Vorsprung einholt. ..." (17) ![]() Konstrukteur Otto Reuter und die F 13 "Herta" Prof. Junkers nimmt die Nachricht über den Erstflug der F 13 recht gelassen auf und richtet die Forderung an die Jfa, trotz der unsicheren politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sofort eine leistungsfähige Produktion von Verkehrsflugzeugen aufzubauen. Er schreibt am 29. Juni an die Jfa: "Von der telegraphischen Mitteilung über die befriedigenden Leistungen unseres Verkehrsflugzeuges habe ich mit großer Befriedigung Kenntnis genommen. Die Ergebnisse bestätigen, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Auch Ihr Fabrikationsbericht vom 26.6. ist inzwischen eingegangen. Indem ich mir vorbehalte, auf den übrigen Inhalt gelegentlich zurückzukommen, bemerke ich umgehend, daß der Inangriffnahme unserer Verkehrsflugzeuge im Flugzeugbau nichts im Wege steht. Ich hatte mich bereits bei unserer letzten Besprechung in gleichem Sinne geäußert, die sehr erfreulichen Erfolge mit dem Verkehrsflugzeug geben erhöhte Veranlassung, den Flugzeugbau mit aller Kraft zu betreiben. Ich muß immer und immer wieder darauf hinweisen, daß wir ohne Verzögerung die Ausbildung eines tüchtigen Arbeiterstammes im Metallflugzeugbau mit allen Mitteln fördern müssen. Das Risiko, welches in den unsicheren inneren und äußeren politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen liegt, müssen wir schon mit in Kauf nehmen, um gegebenenfalls wirklich leistungsfähig zu sein. Das ist z. Zt. nicht der Fall." (18) Nach den ersten Versuchsflügen arbeitet die Forschungsanstalt weiter an der Verbesserung der J 13, so wird unter anderem an einer Trimmanlage gearbeitet. Dr. Mader berichtet darüber am 1. Juli an die Abt. Patente: "I.) Betr. J.13 1) Flugzeug ist am 25. und 26.06.19 erstmalig geflogen und hat sich in der Luft gut bewährt. Die Ihnen schon gezeigte Art der Motorverkleidung, die den Auspufftopf teilweise in sich schließt, mit besonderer Luftkühlung für den Auspuffsammler, hat sich als brauchbar herausgestellt; jedoch hat es sich als notwendig erwiesen, den Auspufftopf an der Einmündungsstelle der einzelnen Rohre mit aufgeschweißten Kühlrippen versehen. Diese Ausführung könnte neu und schutzfähig sein. 2) Es wird an einer Hilfsanlage gearbeitet, mit der es möglich sein soll, eine durch ungleichmäßige Belastung entstandene Kopf = resp. Schwanzlastigkeit des Flugzeuges auch im Fluge beheben. Dazu wird nahe dem Rumpfende ein Ballast-(Brennstoff)tank vorgesehen, dessen Füllung und Gewicht mit einer Allweiler-Handpumpe auf Kosten der Haupttanks vermehrt oder vermindert werden kann. Eine für den Führer sichtbare (Benzin)uhr ermöglicht dieÜberwachung des Tankinhaltes. Wir empfehlen Ihnen das Flugzeug nochmals zu besichtigen; bei dieser Gelegenheit könnten Sie auch die Art des Türverschlusses in der Ausführung sehen. ..." (19) Am 5. Juli 1919 beginnt die Typenprüfung und am 18. Juli erteilt die DVL den Junkerswerken einen vorläufigen Bescheid über die Zulassung der J 13: "Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt E.V., Adlershof, den 18. Juli 1919 Vorläufiger Bescheid. Das Verkehrsflugzeug "J 13" der Forschungsanstalt Professor Junkers, Dessau bezw. des Junkers-Flugzeugwerkes, Dessau, nämlich ein Land-Personen-Fracht-Eindecker mit 1 Motor (D III a oder Bmw IIIa) und 1 Schraube (E pta b a 016 09 48 Nr. 01 19) (20) ist von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in der Zeit vom 5. Juli 19 bis ... Juli 1919 einer abgekürzten Musterprüfung für Flugzeuge unterzogen worden und wird für insgesamt drei Ausführungen als hinreichend verkehrssicher befunden. Das ausführliche Gutachten wird nach Fertigstellung nachgereicht. Bis zur Aushändigung dieses Gutachtens gilt dieser vorläufige Bescheid als Ausweis der bestandenen Prüfung. Der Abteilungsleiter. Die endgültige Zulassungsbescheinigung für das Flugzeug F 13 (Werknummer 531) mit der Zulassung D 183 übersendet das Reichsluftamt am 23. Juli. ![]() F 13 Herta Eine Woche später erteilt Prof. Junkers die Genehmigung, die im Luftverkehr eingestellten Flugzeuge F 13 mit Namen zu bezeichnen. Die erste F 13 erhält die Namen "Herta" nach der ältesten Tochter der Familie Junkers, die noch im Bau befindliche zweite F 13 soll später nach der zweitältesten Tochter "Annelise" benannt werden. Über die Daten der ersten F 13 gibt ein Schreiben der Forschungsanstalt an die Abteilung Patentverwertung vom 8. Juli 1919 Aufschluß. Hier werden folgende Angaben gemacht:
Die effektiven Leistungen der Motoren sind am Boden - für 160 PS Mercedes-Motor etwa 174 PS Der kleinste Gleitwinkel ist 6°.
Cockpit der F 13 Über die Instrumentierung der ersten F 13 ist folgendes bekannt:
Auch über Beobachtungen eines Passagiers bei einem Flug mit der F 13 aus dieser Zeit ist ein Schriftstück überliefert. Johannes Viehweger, damals Leiter der Abteilung Luftverkehr der Junkerswerke, berichtet im Juli 1919: "Meine während des Fluges mit J 13 am 17. ds. Mts. gemachten Beobachtungen lege ich in folgenden Punkten nieder:
Aufgrund dieser Flugerfahrung macht Johannes Viehweger daraufhin folgende Vorschläge zur Verbesserung der F 13 "Herta":
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