Die Entwürfe zur F 13

Die Bedenken der Junkerswerke, daß eventuell längere Entwicklungszeiten notwendig seien, bis das richtige Verkehrsflugzeug geschaffen sei, waren völlig umsonst. Bereits einen Tag nach der entscheidenden und richtungsweisenden Besprechung, am 31. Dezember 1918, legt die Forschungsanstalt eine Konstruktionszeichnung zu einem Verkehrsflugzeug vor (F.B. 2266), daß richtungsweisend für den zukünftigen Passagierflugzeugbau werden soll.

Wie in der Besprechung gefordert, besitzt das Flugzeug einen großen Rumpf, dessen Maße im wesentlichen der späteren F 13 entsprechen, allerdings sind die Flügel hier oberhalb des Rumpfes angebracht. Im Vergleich zur späteren F 13 sind nicht nur die Passagiere, sondern auch der Pilot und Co-Pilot in einer geschlossenen Kabine untergebracht. Der Motorvorbau ist höher, das Flugzeug wirkt dadurch insgesamt gedrungener. In den Flügeln ist auf jeder Seite ein Tank für je 175 Liter Benzin vorgesehen.

Folgende Daten sind auf der Konstruktionszeichnung angegeben:

Länge: 9,8 m
Spannweite: 14,6 m
Vollgewicht: 1470 kg
Leergewicht: 850 kg
Nutzlast (Betriebsstoff und Passagiere): 620 kg
Länge: 9,8 m
Breite: 14,6 m
Tragfläche: ca. 34 qm
Leistungsbelastung: 8,5 kg/PS
Gipfelhöhe bei 1470 kg Vollgewicht: ca. 3500 m
Steigzeit für 3000 m Höhe bis 50 Minuten
Geschwindigkeit beim Steigen ca. 110 km/h
Höchstgeschwindigkeit horizontal ca. 150 km/h
Landungsgeschwindigkeit ca. 85 km/h

Der einzige wesentliche Unterschied zum Prototyp der späteren F 13 besteht darin, daß das Flugzeug, wie in der Besprechung vom 30. November gefordert, ein Schulterdecker ist, d. h. die Flügel liegen über der Kabine. Der Konstrukteur Otto Reuter scheint aber mit dieser Lösung doch nicht so ganz zufrieden gewesen zu sein und läßt am 3. Januar 1919 als Alternative das gleiche Flugzeug noch einmal als Tiefdecker zeichnen (F.B. 2272). Die tiefliegenden Flügel erfordern einen schlankeren Motorvorbau und eine offene Pilotenkanzel, damit der Pilot eine ungehinderte Sicht nach unten und vorn hat. Damit entspricht dieses Flugzeug bis auf Tür- und Fenstergestaltung in den Grundzügen schon der später ausgeführten J 13/F 13. Leistungen und Gewichte sind dieselben wie bei der Schulterdecker-Ausführung.

Um das Gewicht des Flugzeuges etwas zu verringern, fertigt Reuter am 7. Januar noch einen zweiten Entwurf der J 13 mit tiefliegenden Flügeln an (F.B. 2280). Dieses Flugzeug hat einen niedrigeren Rumpf, die Fenster der Passagierkabine sind nach oben verlegt und offen. Damit soll bei einer eventuellen Bruchlandung ein ungehinderter Ausstieg ermöglicht werden. Auf die Tür wird verzichtet. Das Flugzeug hat damit einen 20 kg leichteren Rumpf. Die sonstigen Leistungen und Gewichte bleiben die gleichen wie oben.

Konstrukteur Reuter selbst gibt folgende Erläuterungen zu diesen drei Zeichnungen:

"160 PS Junkers-Verkehrsflugzeug.
Zu Bl. Nr. F.B. 2266, 2273, 2280
Als Grundlage der Entwürfe wurde folgendes angenommen. Die Motorleistung soll 160 bis 185 PS betragen, da solche Motoren in erster Linie verfügbar sind. Eine Horizontalflug-Geschwindigkeit von 150 km/Std. wird als ausreichend angesehen. Die Flächenbelastung soll nicht hoch sein, um die Gefahr bei der Landung möglichst gering zu machen, die Spannweite soll jedoch mit Rücksicht auf Hallen und Zelte unter 15 m bleiben. Hieraus ergab sich ein Flugzeug von ca. 34 qm Flügelfläche und ca. 850 kg Leergewicht. Mit Rücksicht auf Start, Landung und die aus Sicherheitsgründen zu erreichende Flughöhe von ca. 3000 m wurde eine Nutzlast von ca. 620 kg als zulässig angesehen. Als geringste Betriebsstoffmenge, welche mitgenommen werden muß, wurde ca. für 3 Std. bei Volleistung; als höchste Betriebsstoffmenge etwa für 6 bis 8 Stunden bei Volleistung angenommen, entsprechend etwa der Flugzeit, welche von einem Führer ohne Ablösung erwartet werden kann. Entsprechend der nach Abzug der Betriebsstoffmenge noch verbleibende Nutzlast muß das Flugzeug für 2 bis 5 Personen außer dem Führer Platz bieten. Der Führer soll nach vorn, vorn unten und nach beiden Seiten möglichst gut sehen, um sich ohne Hilfe orientieren zu können. (Ein Kompaß soll ihm selbstverständlich zur Verfügung stehen.) Die Fluggäste sollen den Luftraum und das Gelände möglichst gut übersehen können, jedoch müssen die Rücksichten auf gute Aussicht wahrscheinlich den wichtigeren Rücksichten auf Sicherheit und Leistung des Flugzeuges untergeordnet werden."(11)

Die Entscheidung fällt am 11. Januar 1919 in einer Konferenz, an der auch Prof. Junkers teilnimmt, zugunsten des Tiefdeckers:

"Betr.: Type für 1 Verkehrsflugzeug. An Hand der Zeichnungen Bl. Nr. F.B. 2266, 2273, 2280 wird als richtig angesehen:
  1. PS-Mercedes-Motor beibehalten.
  2. Tiefliegenden Flügel vorerst anwenden.
  3. B/T entspricht 6/1.
  4. Flügelform entweder rein rechteckig oder besser trapezförmig.
  5. Vorderkante aus Herstellungsrücksichten gerade. (Js.)
  6. Flügelprofil mit gleicher Dicke (Dickenverhältnis) bis zum Ende durchlaufend. (Js.)
  7. Querruder mit verlegter Achse werden von Prof. Js. gewünscht. Auf Schwierigkeit d. Konstruktion wird hingewiesen. Gewünschte Form: (hier Zeichnung); Kanalstromversuche dazu sollen fertiggestellt werden.
  8. Sicherheit, bes. bei Landung ist wichtig.
  9. Dazu Flächenbelastung klein, auf Kosten der Geschwindigkeit.
  10. Horizontalflug bei normaler Belastung bei bestem a/W (Js).
  11. Einschaltung von Bauteilen zur Aufnahme von Formänderungsarbeit, bes. bei Fahrgestell erwägen.
  12. Großes Gleitvermögen für Landung ev. durch Luftbremse vermindern.
  13. Führerausblick für Landung links (Sa.) "

Am 9. Januar wird noch ein Entwurf angefertigt, der die Verwendung von Teilen des zweisitzigen Militärflugzeuges J 10 vorsieht (F.B. 2285). Dieser Entwurf wird in der Literatur bisher irrtümlicherweise als J 12 und damit als Vorläufer der J 13 bezeichnet (12). Er ist jedoch nachweisbar nach den Entwürfen zur J 13 entstanden und soll nur eine Übergangslösung bis zur Fertigstellung der J 13 sein. Das ist auch die Erklärung dafür, daß diese Zeichnung auf der zwei Tage später stattfindenden Konzernbesprechung überhaupt nicht zur Diskussion steht.

Grund für diesen Entwurf ist wahrscheinlich ein ganz anderer: Drei Tage zuvor hat eine Besprechung mit Unterstaatssekretär Euler stattgefunden und die Junkerswerke beabsichtigen, einen Antrag auf Zulassung zum Luftverkehr zu stellen. Dazu wird sofort ein Verkehrsflugzeug benötigt. Die vorhandenen Militärflugzeuge J 10 können jedoch nur einen Passagier mitnehmen. Also wird dieses Flugzeug in aller Eile etwas umkonstruiert, die Kabine wird soweit vergrößert, daß zwei bis drei Passagiere mitgenommen werden können. Die Fenster liegen wie beim vorherigen Entwurf oben und sind offen und dienen gleichzeitig als Zu- und Ausstieg. Rumpfendstück, Flügel, Kühler und andere Teile sollen von der J 10 übernommen werden. Das Flugzeug ist dadurch kleiner und leichter als die vorherigen Entwürfe. Diese Version wird jedoch nicht ausgeführt, da, wie wir in einem späteren Kapitel noch sehen werden, der Bedarf für den Transport mehrerer Passagiere anfangs einfach nicht da ist und erst geweckt werden muß. Dafür aber eignet sich die ein halbes Jahr später fertiggestellte F 13 einfach besser.

Weiter: Der Bau der ersten F 13
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